Leopold Strasser

Schlosser bei der Eisenbahn. Widerstandskämpfer. Hingerichtet.

* 1903   † 1943

 

Herkunft, Beruf, verheiratet, Vater einer Tochter

Leopold Straßer wurde am 14.11.1903 in Böheimkirchen geboren. Er arbeitete als Schlosser bei der Eisenbahn; eine Tätigkeit, die er mochte. Politisch war er nicht interessiert. Vielmehr beschäftigte er sich mit Vorliebe mit Motorrädern und Volksmusik. Er hegte und pflegte seinen kleinen Garten in Kirchstetten in Niederösterreich. Er war verheiratet und hatte eine Tochter.

Verhaftung, Todesurteil unter Aktenzeichen 7 OJs 80/42

Leopold Straßer wurde am 5.9.1941 verhaftet. In der Verhandlung am 25.4.1942 ergab sich, dass Strasser innerhalb von acht Monaten 42 Reichsmark an eine kommunistische Gruppe gezahlt hatte. Zweck der Spende: Unterstützung von Frauen politischer Häftlinge.- Daß er über politische Ziele der Genossen informiert war, konnte Strasser, der auch einige Botengänge für sie unternahm, nicht nachgewiesen werden.

Das änderte aber nichts daran, dass er unter Aktenzeichen 7 OJs 80/42 von Richter Riedel-Taschner am 1.12.1942 zum Tode verurteilt wurde. Die Urteilsbegründung liest sich folgendermaßen: "Für solche Übeltäter ist kein Platz in der Volksgemeinschaft, nur die schwerste zulässige Strafe allein kann ihrem Verschulden ... gerecht werden."

Exkurs über Mitwirkende an der NS-Sondergerichtsbarkeit

Wie DER SPIEGEL 1965 in einem Artikel feststellte, agierte der Richter Landgerichtsrat Dr. Otto Riedel-Taschner zum damaligen Zeitpunkt als Senatsvorsitzender des Landesgerichtes für Zivilrechtssachen in Wien. Der Staatsanwalt, der die Todesstrafe beantragt hatte, Dr. Konrad Zachar, war Hofrat des Obersten Gerichtshofes von Österreich.

Herbert Baumann, 1965 Vizepräsident der Österreichischen Widerstandsbewegung, bewies folgende Tatsachen: Von 15 ostmärkischen Juristen, die zwischen 1938 und 1945 in Wien nachweislich der NS-Sondergerichtsbarkeit dienten, schieden nach Kriegsende nur vier aus dem aktiven Justizdienst aus: Einen hängten die Russen, zwei zogen sich in eine Anwaltspraxis zurück, einer - Dr. Friedrich Nowakowski - wurde Universitätsprofessor in Innsbruck und Mitschöpfer des neuen österreichischen Strafrechts.
Die übrigen Hitler-Richter und - Staatsanwälte entledigten sich des Hakenkreuz-Talars und schlüpften flugs in das Gewand demokratischer Justiz.

Dies ist ein Beleg dafür, dass die aktive Mitwirkung an der NS-Sondergerichtsbarkeit keinen Ausschlussgrund für eine spätere Karriere in der Justiz darstellte.

Der Widerstand der Eisenbahner und dessen Folgen

Leopold Straßer war einer von 154 österreichischen Eisenbahnern, die zwischen 1938 und 1945 wegen Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime hingerichtet wurden. 1.438 wurden zu Zuchthaus oder KZ-Strafen verurteilt. Nach 1945 gerieten sie in Vergessenheit. Die Widerständler ebenso wie die vielen Kollaborateure des Regimes in den Reihen der Reichsbahnen in der Ostmark. So wie die Rolle der Bahn bei den Deportationen von Millionen Juden und anderen rassisch und politisch verfolgten Gruppen.

Leopold Straßer an seine Frau, v. 11.3.1942 aus Znaim (Auszug)

"Meine liebe Friedl! Da es gerade heute, den 11.3. drei Jahre seit unserer Verehelichung sind, so sende ich dir, mein Liebling, die herzlichsten Glückwünsche. Leider sind wir schon ein volles Jahr getrennt. Diesen 13.3. werden wir nicht vergessen. Ja, Friedl, wie mag dir zumute gewesen sein, als ich an diesem Tag nicht nachhause kam? Aber unser schönster Tag wird der sein, wenn ich zuhause eintreffe. Hoffen wir, und hoffen wir immer wieder, dass er bald eintreffen mag. Friedl, wie groß meine Sehnsucht nach unserem Blondengel und nach dir ist, das kann ich dir hier nicht beschreiben. Aber einmal kommt die Stunde, wo ich dir es selbst sagen kann. Kannst du dir das vorstellen? Oft denke ich darüber nach. Ich sage dir ehrlich, ich kann mir diesen Tag nicht vorstellen. Manchmal glaube ich, dass diese Tage hier überhaupt kein Ende nehmen."

Letzter Brief aus dem Gefängnis, Hinrichtung

Leopold Straßer ersuchte seine Frau noch wenige Tage vor seinem Tod, ihm eine Gärtnerzeitschrift ins Gefängnis zu schicken. Zu diesem Zeitpunkt war sein Unterkiefer schon beim Verhör von Gestapowächtern zertrümmert worden und das Todesurteil rechtskräftig.

Ein letzter Brief aus dem Gefängnis ist überliefert: „Von Montag bis Freitag können immer Hinrichtungen sein, wessen es ist, weiß man nie. Dann kommt so ein schrecklicher Tag und man hört wie links und rechts Leute weggeführt werden, es ist fürchterlich und so geht das, bis es einen selbst trifft, wenn nicht ein Wunder geschieht.“

Die Hinrichtung von Leopold Straßer erfolgte am 29. April 1943.

Aus dem Urteil

“(…) so hat dennoch der Gerichtshof auf Grund des Geständnisses des Angeklagten im Vorverfahren als erwiesen angenommen, dass der Angeklagte nicht nur durch mehrere Monate die von (Franz) Felbek gesammelten KP-Mitgliedsbeiträge übernommen und an Schmaldienst abgeführt, sondern dem Felbek auch 3 Stück der kommunistischen Flugschrift “Weg und Ziele Nr. 6” ausgefolgt hat und zwar in voller Kenntnis ihres Inhaltes. In dieser Propagandaschrift wird der Daseinskampf des deutschen Volkes als kapitalistischer und imperialistischer Krieg bezeichnet, und dem Kampf gegen den “Faschismus” in allen zur Verfügung stehenden Mitteln das Wort geredet.”

Straßenbenennung

Die Leopold Strasser-Gasse in Kirchstetten ist nach ihm benannt.

Gedenkort

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Die Gedenkstätte auf der Gruppe 40, Zentralfriedhof

Weblinks und Quellen

Wir erinnern uns

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